Gedichte
über und um Altendorf
50 Jahre Trommler- und Pfeifer Corps " Gut Spiel " zu Essen- Altendorf, Originaltext von Karl Lindemann aus dem Jahre 1961
Karl Lindemann ist am 03. August 1912 als Sohn von Paul Lindemann und Elisabeth Grammersbach in Essen-Altendorf geboren.
Gestorben ist er am 12. Juli 1986 in Mülheim.
Als Originalabschrift eingereicht von Dr. Alfred Schreiber
Trommlercorps wie es spielt und lacht hab ich hier auf's Papier gebracht. 1911 zählte das Jahr, da trat zusammen eine muntere Schar. Es waren Jungen aus dem Jungmänner-Verein, die legten für den Trommlercorps den Grundstein. Es wurde gepfiffen, getrommelt und marschiert, denn keiner wollte haben, daß man sich blamiert. So spielte man durch Altendorf, ganz treu und brav bis 1914 die erste Pleite eintrat.
Der Krieg brach aus, o welch ein Schreck, es mußten auch ein paar Spielleut weg. 1918 war der Krieg wieder aus, hurra! Da waren die Spielleute wieder da. Mit frischem Mut und voller Kraft, wurde die Arbeit dann weiter geschafft. Den Krieg hatten wir ja verloren, es war entsetzt und die Franzosen hatten unsere Heimat besetzt. Die Franzosen standen mal unten, an der Kruppschen Fabrik, da kam gerad das Trommlercorps und spielte Marsch 12 wie verrückt. Sie standen da und hörten den Klängen zu, den Trommlercorps ließen sie aber in Ruh.
" Gut Spiel " konnte sich überall sehen lassen, die anderen Spielleute sah man langsam erblassen. Die Lyra, haben wir, wenn mich nicht alles irrt, bei einem Wettstreit mal einkassiert. Da sie ja auch alle wollten treu zur Fahne stehn, konnte man auch bald die schöne Standarte seh'n. Die vier Fanfaren, die wir auch bald hatten, stellten alles andere in den Schatten. Jetzt waren wir ein begehrter Spielmannszug und Spiele hatten wir noch mehr als genug. Es kam schon mal vor, daß wir auf zwei Stellen mußten sein, das brachte dem Chor ja auch was ein. Sehr oft mußten wir spielen für die Ehrengarde, das war immer mit Aufmarsch und große Parade. Schützenfest zu spielen, da taten sich alle nach lecken am Schönsten dabei, war immer morgens das Wecken.
Nicht zu vergessen, der große Zapfenstreich, wie es Schützenbrüder Brauch und Sonntagsnachmittags der große Festzug auch. Rosenmontag spielte auch mit unser Chor, denn wir konnten nicht nur spielen, wir hatten auch Humor. Die Altendorfer Karnevalisten, die wußten das, und uns machte das besonders viel Spaß. In der Schönebecker-Schweiz und Winkhauser Tal, spielten wir auch im Sommer 3 - 4 mal. Hier ging mancher Spielmann auf Brautschau aus und manch einer brachte sie auch mit nach Haus. Linie 11 war doch die Straßenbahn, ihr habt sie doch gekannt, und einer von uns, hat man nur noch " Linie 11 " genannt.
Die Pfarrfeste in Schloß Borbeck waren auch immer schön, da konnte man den Trommlercorps im Glanze seh'n. Blasorchester und wir, spielten Konzert, das war doch bestimmt 5,- DM wert. Denn was wir spielten war einmalig schön, das kann man heut noch nicht im Fernsehen seh'n. Zwei bekannte Personen, hab ich heut hier noch nicht geseh'n, das kann ich eigentlich nicht versteh'n. Wenn wir früher spielten in Borbeck, Frintrop oder Kray, die waren immer dabei. Peter Attemeyer mit seinem Spazierstock aus Holz, auf der anderen Seite Tante Emma ganz stolz. Das waren zwei, die hatten an uns einen Narren gefressen, ich glaube, die können wir alle nicht vergessen. Wir hatten viel Freude wie es damals war, wir waren ja auch eine gemütliche Schar.
Als Hitler ans Ruder kam, dieser Gefreiter, ging es im Trommlercorps auch so recht nicht weiter. Uns steckte man eines Tages alle in Braun sonst hätten die uns bestimmt alle verhau'n. Das schöne und frohe so vogelfrei, wurde abgelöst, durch Zwang und Befehlsgeschrei. Jedesmal antreten war jetzt ein Zwang, das paßte uns nicht und wir bekamen Bang. Hitler, dieser Militärist machte auch weiter viel Mist. Er führte die allgemeine Wehrpflicht ein, das brachte große Lücken in unser'n verein. Und als der Krieg kam noch dazu, trat der Trommlerchor ganz in Ruh. Hitler dieser Mann in Teufelsgestalt, steckte die ganze Welt in Brand. Als alle Städte in deutschland am Boden lagen, ist er wieder in die Hölle gefahren.
Der Krieg war aus, wir bluteten aus 1000 Wunden, von den Spielleuten hatte man kaum einen wiedergefunden. Gefallen, Gefangenschaft oder evakuiert, denn Altendorf war ja wie ausradiert. Zu Essen gab es auch so knapp, daß keiner wurde von den Kalorien satt. Da dachte keiner an Spielmannszug, denn jeder hatte für sich Sorgen genug. 1948 bekam das Leben wieder Schwung, die RM war weg, wir hatten die Währung. Die Vereine in Altendorf bekamen wieder Leben so war es im Trommlerchor auch mal eben. Instrumente hatten wir kaum und zum Proben fehlte uns der Raum. Ein paar Trommeln und Flöten fein, kauften wir in Mülheim ein. Das geld, das Kam durch Spenden ein, sonst hätte es auch nicht können sein.
Proben konnten wir nicht im Marienheim, drum gingen wir im heim vom Kleingärtnerverein. In der Hüttmannschule war es auch von kurzer Zeit, dann stellte Amalia einen Raum bereit. Wir flogen also von Raum zu Raum und schafften es doch, kaum zu glauben. Das erste Spiel war für den Schützenverein " Sebastian " zur Fahnenweihe traten wir hier an. Das Wecken war wieder schön, ich möchte wetten,ach, wenn wir die Getränke heute alle hier hätten. Ich glaube wir ständen alle nicht mehr auf den Beinen, diese tranken wir auf einem Sommerfest bei Kleine. Das erste Schützenfest, in Altendorf nach dem Krieg, ich mache keinen Witz, hatte das Trommlercorps wieder die Spitz. Mit den Altendorfer Schützenbrüder in Frintrop oder Kray waren wir alle wieder dabei.
In Kray, beim Schützenfest es war am platschen, wir waren nur so in die Trommel am matschen. Der Festzug konnte nur von kurzer Zeit sein, und durchnäßt zogen wir in's Festzelt ein. Den Flötern schmeckte das Bier schon lecker, wir Trommler zogen mit den Trommeln zu einem Bäcker. Vor dem Backofen, vor die große Lauke, stellten wir Trommeln und die Pauke. Als alles trocken war, wie es uns gefällt, zogen wir wieder ein in's Zelt. Hier spannten wir Pauke und Trommeln wieder und stellten uns auf in Reih' und Glieder. Wir spielten einen, daß es nur so kracht, die anderen haben lange Hälse gemacht. Eine Karnevalsfeier machten wir auch ganz fein ganz unter uns, auf Amalia im Tennisheim. Die Stimmung war groß, es war kaum zu fassen, hier konnte man sich für wenig Geld vollaufen lassen. Es war wie eine Familie, ganz hemmungslos lassen, ach, hätten wir das nur noch einmal blos.
So konnten wir uns sehen lassen mit Humor und Spiel, aber den Familienvätern und Ehefrauen wird es zu viel. Aus Altendorf sind fast alle vertrieben, dort trifft man fast nur noch Leute von drüben. Altendorf war früher eine Innung für sich ja schon, als wir noch alle wohnten, so schön um den Dom. Wenn ein alter und treuer von Altendorf wird geehrt und belohnt, hat der Fritz immer ein paar Spielleute zusammen geholt. Dann hört man ein Ständchen, wie in alten Tagen, das wird bestimmt heut ein jeder sagen. Auch die älteren Spielleute könnten hier einen rasseln da würde auch noch manch ein aktiver erblassen. Was man uns in jungen Jahren hat beigebracht, das sitzt auch noch heut, es wär'ja gelacht. Alle möchten so gern noch einmal dabei sein, wie früher so schön, das wäre fein. Wenn sich vier, fünf Mann treffen, so an den Theken, dann spricht man von früher und von dem Erlebten. Und wenn es dann heißt Abschied nehmen, dann sieht man sie nochmal die Gläser erheben, dann nimmt man schweren herzens Abschied und von den Spielleuten hört man noch ein Lied.
" Aber eins, aber eins, das bleibt bestehn, das Trommlercorps darf niemals untergehn. "